Eingebettet im Gleisgewirr – ein Wirtshaus mit Bahnanschluss, Charakter und Augustiner-Herz
Direkt neben dem S-Bahnhof Obermenzing liegt die Fahrgaststätte, seit Jahrzehnten ein echtes Quartierwirtshaus mit Eisenbahnseele. Die Nähe zur Bahn ist kein Zufall – ursprünglich diente die Gaststätte den Fahrgästen und Bahnmitarbeitern als Rastplatz. Heute ist sie ein echtes Stück Münchner Kneipenkultur, das sich gegen das Vergessen stemmt – mit dunklem Holz, hellem Bier und ziemlich viel Lokalstolz.
Ambiente – Wirtshaus in Reinkultur
Das Gebäude ist ein Klassiker der Bahnhofsnähe: zweistöckig, mit Wirtshaus unten, Wohnraum oben, Zigarettenautomat an der Wand und Augustiner-Schriftzug über der Tür. Innen erwartet einen ein typisches Boazn-Ambiente: holzgetäfelte Wände, runde Tische, niedrige Decke, Kachelofen. Im Sommer öffnet der überraschend grüne und ruhige Biergarten im Innenhof, der trotz Gleisnähe echte Erholung bietet. Keine Designerstücke, keine Upgrades – nur gepflegte Authentizität.
Küche – Deftiges aus der Pfanne, nichts für Kalorienzähler
Die Küche ist klar definiert: bayerisch, deftig, hausgemacht, fettig – und verdammt gut. Klassiker wie:
- Schweinsbraten mit Dunkelbiersoße
- Gulasch mit Spätzle
- Kalbsschnitzel mit Preiselbeeren
- Fleischpflanzerl mit Bratkartoffeln
- Saures Lüngerl (selten, aber legendär)
- Riesen-Currywurst mit Brot
Es gibt auch täglich wechselnde Angebote auf der Schiefertafel – etwa Kassler, Wurstsalat oder Sülze mit Zwiebelringen. Wer es leichter mag, bekommt einen einfachen gemischten Salat. Aber leicht ist hier nicht die Philosophie – sondern satt. Und glücklich.
Getränke – Augustiner first
Vom Fass gibt’s ausschließlich Augustiner Hell, Weißbier und saisonale Spezialitäten wie Edelstoff oder Bockbier. Gut gezapft, richtig temperiert, kein Schnickschnack, kein Craft-Gedöns. Dazu einfache Weine, diverse Schnäpse und ein Espresso, der besser ist als erwartet. Der Preis stimmt: Halbe Helle ca. 4 €, Weißbier leicht drüber.
Service – Mitten im Leben
Der Service ist ehrlich, fix, gastlich, aber immer mit einem gewissen grantelnden Charme, wie er nur in München funktioniert. Die Wirtin ist oft selbst im Service, man kennt viele Stammgäste beim Namen, man trinkt mit, man redet Klartext. Neue Gäste werden freundlich, aber ohne Schleimerei begrüßt. Wer höflich ist, ist willkommen – wer klugscheißt, sitzt schnell allein.
Publikum – Obermenzing in Reinkultur
Alteingesessene, Bahnpendler, Nachbarn, Fußballfreunde. Der Altersdurchschnitt ist eher hoch, aber es kommen auch Familien mit Kindern oder Studierende, die genug vom Foodtruck haben. Es ist kein Hipster-Lokal – es ist ein Herzstück. Und genau das macht es so lebendig.
Fazit – Bahnhofs-Boazn mit Herz und Haltung
Die Fahrgaststätte ist ein Unikat in einem Viertel, das sonst wenig Überraschungen bietet. Wer hierherkommt, sucht kein Theater, sondern einen Ort zum Sitzen, Trinken, Essen – und vielleicht ein bisschen Nachdenken. Wer ein Wirtshaus mit Charakter, Geschichte und ordentlich Portionen sucht, ist hier genau richtig angekommen. (cg)
