Wirtshaus zum Schönhof (München)


Fotos stadtgui.de

Ein stiller Klassiker mit viel Substanz – wo Münchner Tradition unaufgeregt weiterlebt

Im unteren Giesing, wo die Schönstraße den Trubel der Tegernseer Landstraße langsam hinter sich lässt, liegt das Wirtshaus zum Schönhof – ein eher unauffälliges Lokal, das sich aber seit Jahrzehnten still und leise einen Platz unter Münchens authentischen Nachbarschaftswirtshäusern gesichert hat. Es ist kein Ort, der auf sich aufmerksam macht – und gerade das ist seine Qualität.

Ambiente – Schlicht, ehrlich, warm

Von außen wirkt der Schönhof wie ein typisches Wohngebäude mit Gaststätte im Erdgeschoss. Doch wer eintritt, wird nicht enttäuscht, sondern überrascht – nicht von Design, sondern von Atmosphäre. Der Gastraum ist einfach gehalten: helle Holzverkleidungen, gepolsterte Bänke, kariertes Tischtuch, eine sauber geführte Theke. Man merkt: Hier wurde vielleicht das letzte Mal 1998 renoviert, aber mit Geschmack.

Es gibt keine Showeffekte, keine Inszenierung – nur ein warmes, leises Wirtshausgefühl, wie man es nur noch selten findet. Besonders schön: die Fenster zur Straße hin, durch die morgens das Licht einfällt, wenn sich die ersten Stammgäste zum Frühschoppen treffen. Im Sommer stehen einige Tische draußen – kein klassischer Biergarten, aber echtes Straßencafé-Flair in Giesing.

Küche – Hausmannskost mit Tradition und Beständigkeit

Die Speisekarte ist überschaubar, aber durchdacht und konstant bodenständig. Es gibt die Gerichte, die man in einem altbayerischen Wirtshaus erwartet – und sie kommen ohne Tricks, aber mit Substanz:

  • Wiener Schnitzel (vom Schwein oder Kalb) mit lauwarmem Kartoffel-Gurkensalat
  • Schweinsbraten mit kräftiger Dunkelbiersoße und Knödel
  • Fleischpflanzerl mit Bratensoße und gemischtem Salat
  • Rindsroulade mit Speckfüllung (nur auf Vorbestellung)

Besonders erwähnenswert: der hausgemachte Kartoffelsalat, der immer wieder in Rezensionen gelobt wird – leicht säuerlich, mit einem Hauch Brühe und frischer Petersilie. Vegetarier finden einfache Alternativen wie Käsespätzle oder ein Omelett mit Pilzen – nichts Revolutionäres, aber ehrlich, liebevoll und frisch zubereitet. Wer Glück hat, erwischt einen Thementag (z. B. Wild oder Ente zur Herbstzeit).

Getränke – Klarer Fokus aufs Bier

Bier vom Fass kommt meist von Spaten oder Augustiner, in bester Qualität gezapft. Dazu Weißbier (meist Franziskaner), Radler, Spezi und alkoholfreie Getränke. Die Schnapskarte bietet das, was man erwartet: Willi, Obstler, Enzian – zu Preisen unter 3 €. Wer Wein bestellt, bekommt einfache, aber trinkbare Sorten im 0,2-l-Schoppen. Der Schönhof ist kein Ort für Aperol Spritz – hier bestellt man eine Halbe und ein Schnitzel. Punkt.

Service – Familiär, freundlich, manchmal ein wenig ruppig

Der Service ist typisch münchnerisch: direkt, schnell und mit Herzblut bei der Sache. Wer freundlich auftritt, wird auch freundlich bedient. Wer grantelt, bekommt halt einen Spruch. Aber immer charmant. Die Wirtin (oder der Wirt, je nach Schicht) kennt viele Gäste persönlich – man begrüßt sich mit Handschlag oder Augenzwinkern. Neue Gäste werden zuerst beobachtet – wer sich benimmt, wird freundlich aufgenommen.

Besonders positiv fällt auf: Sonderwünsche (z. B. Salat statt Knödel, Extrakrautsalat) werden kommentarlos erfüllt. Ein Ort, der mit wenig Aufheben viel richtig macht.

Publikum – Ur-Giesinger, Fußballer, Nachbarn

Das Wirtshaus zum Schönhof lebt vom Kiez und vom Klub. Die Nähe zum Grünwalder Stadion macht es zu einem der Lokale, in dem Löwenfans vor und nach dem Spiel gerne einziehen – allerdings bleibt es dabei stets friedlich, ja sogar familiär. Unter der Woche kommen viele Einheimische aus dem Viertel: Rentner, Handwerker, junge Familien, Alleinesser mit Buch. Die Stimmung ist freundlich, ruhig und immer ein wenig verschmitzt. Gespräche über Politik, Wetter und Fußball gehören zum guten Ton – laut wird es selten.

Preis-Leistung – Fast unschlagbar

Die Preise sind ehrlich und bodenständig: Eine Halbe ab 3,80 €, Hauptgerichte zwischen 10 und 15 €, Schnitzel mit allem drum und dran unter 14 €. Für die gebotene Qualität, Frische und Portionengröße ist das mehr als fair. Auch kleine Gerichte (Suppen, Brotzeiten) werden zu moderaten Preisen angeboten – das macht das Lokal auch für den schnellen Feierabendhunger attraktiv.

Fazit – Ein Ort der leisen Töne mit großer Wärme

Das „Wirtshaus zum Schönhof“ ist kein Lokal, das in Magazinen gefeiert wird – aber eines, das man vermisst, wenn es nicht mehr da wäre. Es ist ein Ort, der in keiner Gastro-App auftaucht, aber bei den Menschen im Viertel einen festen Platz im Herzen hat. Es braucht kein Konzept – denn es ist ein Wirtshaus, wie es sein soll: ehrlich, einfach, menschlich. Und damit mehr als viele andere, die sich mit Marketing statt mit Menschlichkeit definieren. (cg)

Steckbrief

Wirtshaus zum Schönhof
Schönstr. 76
81543 München
Tel: 089 37952389

Öffnungszeiten
Mo-Fr von 11:00 bis 1:00 Uhr
Sa-So-Feiertage von 11:00 bis 21:30 Uhr
Warme Küche: von 11:30 bis 22:00 Uhr

Öffentliche Verkehrsmittel
Bus Linie 52
Haltestelle Wilhelm-Kuhnert-Straße

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